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Die Einnahmenüberschussrechnung — kurz EÜR — ist für Freiberufler und Kleingewerbetreibende die einfachste Art, den Gewinn zu ermitteln. Statt doppelter Buchführung reicht eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Klingt simpel? Ist es auch, wenn du weißt, worauf du achten musst.

Was genau ist die EÜR?

Die EÜR basiert auf dem Zufluss-Abfluss-Prinzip (§ 11 EStG): Du erfasst Einnahmen, wenn das Geld auf deinem Konto eingeht, und Ausgaben, wenn du bezahlst. Nicht wenn du die Rechnung schreibst oder erhältst — sondern wenn der Geldfluss tatsächlich stattfindet.

Das ist der fundamentale Unterschied zur Bilanzierung, bei der Forderungen und Verbindlichkeiten sofort erfasst werden. Für die meisten Selbstständigen bedeutet die EÜR deutlich weniger Aufwand.

Wer darf die EÜR nutzen?

Du kannst die EÜR verwenden, wenn mindestens eine dieser Bedingungen zutrifft:

  • Freiberufler — unabhängig vom Umsatz (Ärzte, Anwälte, Designer, Entwickler, Berater)
  • Gewerbetreibende mit einem Jahresumsatz unter 800.000 € und einem Gewinn unter 80.000 €
  • Land- und Forstwirte mit einem Wirtschaftswert unter 25.000 €

Sobald du als Gewerbetreibender die Grenzen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschreitest, wirst du vom Finanzamt zur Bilanzierung aufgefordert. Freiberufler sind davon ausgenommen — sie dürfen die EÜR theoretisch immer nutzen.

EÜR erstellen: Schritt für Schritt

Schritt 1: Belege sammeln und ordnen

Bevor du auch nur eine Zeile in die Anlage EÜR einträgst, brauchst du alle Belege des Geschäftsjahres. Sortiere sie chronologisch und nach Kategorien:

  • Eingangsrechnungen (was du bezahlt hast)
  • Ausgangsrechnungen (was du in Rechnung gestellt hast)
  • Kontoauszüge (lückenlos, Januar bis Dezember)
  • Barbelege und Quittungen
  • Abschreibungstabellen für Anlagegüter

Tipp: Scanne jeden Beleg direkt nach Erhalt. Thermobelege verblassen nach wenigen Monaten — und ein unleserlicher Beleg ist so gut wie kein Beleg.

Schritt 2: Betriebseinnahmen erfassen

Zu deinen Betriebseinnahmen zählen:

  • Honorare und Vergütungen für deine Leistungen
  • Eingenommene Umsatzsteuer (sofern du nicht Kleinunternehmer bist)
  • Erstattungen (z. B. vom Finanzamt)
  • Sachentnahmen (privat genutzte Geschäftsgüter)
  • Auflösung von Rücklagen

Entscheidend ist das Datum des Zahlungseingangs. Eine Rechnung vom 28. Dezember 2025, die erst am 4. Januar 2026 bezahlt wird, gehört in die EÜR 2026.

Schritt 3: Betriebsausgaben erfassen

Hier trägst du alle geschäftlichen Ausgaben ein — wieder nach dem Abflussprinzip. Typische Positionen:

  • Wareneinkauf und Materialkosten
  • Miete für Geschäftsräume (oder anteiliges Arbeitszimmer)
  • Software und IT-Kosten (Buchhaltungssoftware, Hosting, Tools)
  • Fahrtkosten (Kilometerpauschale: 0,30 € bis 20 km, 0,38 € ab dem 21. km)
  • Telefon und Internet (geschäftlicher Anteil)
  • Versicherungen (Berufshaftpflicht, Krankenversicherung anteilig)
  • Gezahlte Vorsteuer

Schritt 4: Abschreibungen berechnen

Anschaffungen über 800 € netto (GWG-Grenze) musst du über die Nutzungsdauer abschreiben. Ein Laptop für 1.500 € netto wird über 3 Jahre abgeschrieben — das sind 500 € pro Jahr, die als Betriebsausgabe in die EÜR einfließen.

Anschaffungen bis 800 € netto kannst du als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sofort in voller Höhe absetzen. Ein Monitor für 600 €? Direkt als Ausgabe im Anschaffungsjahr.

Schritt 5: Anlage EÜR ausfüllen

Seit 2017 ist die standardisierte Anlage EÜR für alle Steuerpflichtigen Pflicht — auch bei Betriebseinnahmen unter 22.000 €. Die Übermittlung erfolgt elektronisch über ELSTER oder eine Steuersoftware.

Die Anlage gliedert sich in diese Bereiche:

  • Zeilen 1–10: Allgemeine Angaben (Name, Steuernummer, Art der Tätigkeit)
  • Zeilen 11–22: Betriebseinnahmen
  • Zeilen 23–65: Betriebsausgaben (nach Kategorien aufgeschlüsselt)
  • Zeilen 66–73: Gewinnermittlung
  • Zeilen 74–86: Ergänzende Angaben

Schritt 6: Gewinn berechnen

Die Formel ist denkbar einfach:

Gewinn = Betriebseinnahmen − Betriebsausgaben

Dieser Gewinn bildet die Grundlage für deine Einkommensteuer. Bei Gewerbetreibenden kommt noch die Gewerbesteuer dazu (Freibetrag: 24.500 €).

Fristen 2026: Wann muss die EÜR fertig sein?

  • Ohne Steuerberater: Abgabe der Steuererklärung 2025 bis 31. Juli 2026
  • Mit Steuerberater: Verlängerte Frist bis 30. April 2027
  • Umsatzsteuer-Voranmeldung: monatlich oder quartalsweise, je nach Vorjahres-USt

Verpasst du die Frist, drohen Verspätungszuschläge: mindestens 25 € pro angefangenem Monat.

Die 5 häufigsten Fehler bei der EÜR

  1. Private und geschäftliche Konten vermischen. Führe ein separates Geschäftskonto — das spart Stunden beim Sortieren.
  2. Belege nicht aufbewahren. Die Aufbewahrungsfrist beträgt 10 Jahre für Rechnungen und Buchungsbelege.
  3. Abschreibungen vergessen. Jedes Jahr gehen Selbstständige Hunderte Euro verloren, weil sie AfA-Beträge nicht eintragen.
  4. Umsatzsteuer falsch zuordnen. Die vereinnahmte USt ist eine Betriebseinnahme, die gezahlte Vorsteuer eine Betriebsausgabe.
  5. Zufluss-Abfluss-Prinzip ignorieren. Es zählt das Datum der Zahlung, nicht das Rechnungsdatum.

EÜR automatisch erstellen mit Software

Manuell eine EÜR in Excel zu pflegen, funktioniert — bis es nicht mehr funktioniert. Ab 20–30 Buchungen pro Monat verlierst du schnell den Überblick. Eine Buchhaltungssoftware wie QROVA erfasst deine Einnahmen und Ausgaben automatisch, ordnet sie den richtigen Kategorien zu und erstellt die Anlage EÜR als druckfertiges PDF.

Besonders praktisch: QROVA erkennt wiederkehrende Buchungen und schlägt die korrekte Zuordnung vor. Statt stundenlangem Sortieren am Jahresende erledigst du die Buchführung laufend — in wenigen Minuten pro Woche.

QROVA Tipp

Mit QROVA erstellst du deine EÜR automatisch aus deinen laufenden Buchungen — inklusive PDF-Export und ELSTER-kompatibler Aufbereitung. Alle Belege werden GoBD-konform archiviert.

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OM
Oleksandr Miliienko
Gründer von QROVA & Miliienko Studio · WordPress & SEO-Experte für KMU im DACH-Raum

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Oleksandr Miliienko
Gründer von QROVA & Miliienko Studio · WordPress & SEO-Experte für KMU im DACH-Raum
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